Wälder, Seen und Sauna

Ankunft in Helsinki

Nach den über 30°C die zuhause herrschten, fühlt es sich in Helsinki zu Beginn recht kühl an. Jeder Sonnenstrahl, der den Weg durch die Wolken findet, wird voll ausgekostet und so ergeben sich sogar ein paar Minuten T-Shirt Wetter.

Nach unserer Ankunft am Mittag, flanieren wir am Nachmittag durch die Stadt und lassen uns von Ort zu Ort treiben. Den Sonntag beginnen wir spontan mit einem reichhaltigen Brunch in Vanha kauppahalli, der ältesten Markthalle Helsinkis, welche heute mit ihrem Kulinarischen Angebot Besucher anlockt. Vom Marktplatz gleich nebenan nehmen wir die Fähre zur Seefestung Suomenlinna. Die Festung wurde über einen Zeitraum von drei Jahrhunderten erbaut und diente in unterschiedlichen Epochen erst zur Verteidigung gegen Schweden, dann Russland und schliesslich Finnland.

Puumala

Heute reisen wir weiter in Richtung der Seenplatte mit seinen rund 42'200 Seen. Auf dem Weg dahin legen wir jedoch erst noch eine Pause im idyllischen, alten Ortsteil von Porvoo ein. Die zweitälteste Stadt Finnlands verzaubert mit Kopfsteinpflastergassen zwischen pastellfarbenen Holzhäusern, roten Ockerspeichern am Fluss sowie kleinen Kaffees und Handwerks-Ateliers. Nach einer zweiten Pause in Kotka treffen wir gegen Abend an unserem Ziel ein. Mutterseelenallein steht das kleine Mökki am Seeufer zwischen Birken und Tannen. Sauna, Steg, Grillplatz, Lichterkette, Ruderboot und sogar eine Schaukel, nur für uns. Die Sauna muss dabei nicht speziell erwähnt werden, da sie zur Pflichtausstattung gehört, wie der Herd oder das Bett. Das Licht der Goldenen Stunde malt bei unserer Ankunft alles noch wärmer und herzlicher. Wir sind in unserem Paradies angekommen. Etwas später wird dann natürlich die Sauna noch eingefeuert und die Abkühlung direkt im See macht das Erlebnis Perfekt.

Nach der morgendlichen Erfrischung im See und einem langsamen Morgen Fahren wir los zur «Saimaa Ringelrobben Wanderung». Die bedrohte Süsswasser-Robbe, von der es nur noch rund 400 Tiere gibt, kommt nur hier im Saimaa-Seensystem vor und lässt sich an diesem Morgen leider nicht blicken. Dafür sehen wir endlose Wälder, unzählige Inseln und Wasser, soweit das Auge reicht. Der Wald scheint alle fünf Minuten wie ausgetauscht. Mal offene Birkenwälder, mal verwachsener Mischwald, mal steinig, mal moosig, mal Laub und mal Nadel.

Am Abend geniessen wir wieder die Ruhe unseres Mökkis, schmeissen den Grill an und heizen die Sauna ein.

An unserem zweiten Tag an diesem wunderschönen Ort wollen wir unsere Paddelkünste auf dem See testen. Trotz kaltem und windigem Wetter gibt die Anstrengung schnell warm. Der starke Wind und die Wellen lassen uns auf dem Rückweg kaum vorwärtskommen und treiben uns ständig vom Kurs ab. Am Nachmittag geniessen noch ein Paar friedliche Stunden an «unserem» See. Der Abend verläuft jedoch nicht so wie geplant. Auf dem Weg zur Sauna, nur mit einem Handtuch bekleidet, fällt die Türe ins Schloss und bleibt geschlossen. Handies, Kleider, Autoschlüssel, alles liegt im zugeschlossenen Haus, ausser der noch feuchten Kleidung, die wir im Kayak anhatten. Nach langem Hin und Her und keiner Möglichkeit einzubrechen, verbringen wir eine unbequeme Nacht in der Sauna. Immerhin haben wir es hier warm, fast schon zu warm. Frühmorgens, ohne die Zeit zu kennen, laufen wir los zur nächsten Strasse. Alles ist in Nebel gehüllt, hier und dort sendet die Sonne ihre Strahlen durch den nebligen Wald. Unter anderen Umständen ein wunderschöner Morgenspaziergang, heute können wir ihn nicht sehr geniessen… und schon gar nicht festhalten. Nach ungefähr 15 Minuten erreichen wir die Strasse, die hier glücklicherweise zurzeit saniert wird. Die finnischen Strassenbauer starten früh und so finden wir bereits um halb sieben einen freundlichen Arbeiter, der uns sein Handy ausleiht, um unsere Vermieterin zu kontaktieren. Glücklicherweise gibt es einen Ersatzschlüssel und so sind wir bereits um viertel nach sieben in der Wohnung, können Frühstücken, im See «duschen» und uns dann früh auf den Weg nach Lieksa machen.

Lieksa

Auf dem Weg nach Lieksa machen wir einen Zwischenhalt in Savonlinna und besichtigen dort die Burg Olavinlinna, welche um das Jahr 1475 erbaut wurde, um die Region vor den Russen im Osten zu schützen. Im Anschluss gibt es ein richtiges finnisches Mittagessen: Lachssuppe. Auf der Weiterfahrt bereiten uns auf einmal seltsame Geräusche vom Auto sorgen, da sie aber nach kurzer Zeit wieder verschwinden, werden sie erstmal ignoriert. Etwas später treten die Geräusche jedoch wieder auf und wir entscheiden uns doch die Roadside Assitance um Rat zu bitten. Nach einem längeren Telefonat warten wir noch etwa eine Stunde auf den Pannendienst, welcher natürlich auch nach einer kurzen Testfahrt nichts Verdächtiges hört. Auch eine weitere Inspektion des Autos bleibt ergebnislos und er rät uns einfach weiterzufahren. Vermutlich befinde sich ein Stein irgendwo zwischen Bremse und Rad. Solange die Bremse nicht heiss werde, sollte kein Problem bestehen. Wir fahren also weiter. Beim Abbremsen vor dem ersten Kreisel treten die Geräusche aber bereits wieder auf und wir befolgen den Rat des Pannendiensts und ignorieren sie. Der Temperaturcheck beim nächsten Stopp bringt auch keinen neuen Grund zur Sorge und die Geräusche verabschieden sich auch schon bald wieder. Diesmal glücklicherweise für den Rest der Reise.

Am nächsten Morgen, nach einem gemütlichen Frühstück, besuchen wir das Atelier von Eva Ryynänen, welches als Museum ihrer Werke dient. Eva war eine der bekanntesten finnischen Bildhauer*innen. Für ihre Figuren, welche oft Kinder, Tiere oder Natur darstellten, verwendete sie hauptsächlich Holz. Ihr Meisterwerk stellt die Paateri Kirche dar, welche zusammen mit dem Atelier und Wohnhaus mitten im Kiefernwald steht. Am Nachmittag machen wir einen Ausflug zum Moorgebiet Reposuo, welches für Vogelbeobachtungen bekannt ist, von denen bekommen wir aber nicht viel zu sehen. Nach den vielen Wäldern bietet das Moor dennoch eine willkommene Abwechslung der Landschaft. Bereits Mitte Nachmittag kehren wir zu unserer Unterkunft zurück und geniessen die ruhe unseres Plätzchens am See mit Grillieren, Saunieren und natürlich baden.

Kuusamo

Heute steht eine lange Fahrt auf dem Programm, ca. 5,5h rechnet das Navi nach Kuusamo. Die Fahrt unterbrechen wir mit einem Mittagsrast an einem der vielen kleinen Seen und etwas später mit einem Stopp im Winterkriegsmuseum.

Unsere Unterkunft für die nächsten Tage befindet sich mitten im Wald, im Obergeschoss eines Wohnhauses. Die Sauna befindet sich ein paar hundert Meter durch den Wald am Seeufer. Der längste Weg zu Sauna und See, den wir in letzter Zeit hatten.

Am ersten Tag in Kuusamo besuchen wir den Oulanka Nationalpark und wandern da die kleine Bärenrunde, den Pieni Karhunkierros. Dies ist ein Abschnitt des 85km langen Fernwanderweg Karhunkierros (Bärenrunde). Der Weg führt uns durch unberührte Wälder, entlang Stromschnellen, Wasserfällen und Seen und bietet so einen wundervollen Eindruck, was der Nationalpark alles zu bieten hat. Am Abend machen wir einen Ausflug in den Skiort Ruka, leider hat aber in der Zwischensaison nicht viel geöffnet und wir kommen einmal mehr nicht in den Genuss leckerer finnischer Spezialitäten.

Am zweiten Tag fahren wir zum nördlichen Ende des Oulanka Nationalparks, wo wir zum ersten Mal Rentiere abseits der Hauptstrassen sehen. Wir wandern durch mystische Wälder, über einen Sumpf, durch Schilf, Buchen, Kiefern, Heidel- und Lingonbeeren (Heidelbeeren). Am Nachmittag geht’s weiter mit über einen Themenpfad mit Infos zur Forstwirtschaft in der Region, zu Lokalen Sagen und zur Rentierzucht. Der Weg führt uns zu einem wunderschönen kleinen See, den wir für uns allein haben. Keine Menschenseele Weit und Breit, keine Flugzeuge, kein Verkehr, bloss die Natürliche Geräuschkulisse aus dem Wald. Wir halten an, halten Inne, hören zu und atmen durch. Am Abend geniessen wir nochmals unsere Sauna am See und können direkt aus der Sauna zwei Rentiere beobachten. Ein würdiger Abschluss, bevor es morgen dann ins Hotel geht. Zwar auch mit eigener Sauna im Zimmer, jedoch nur mit der Dusche zu Abkühlung und ohne Wald vor dem Fenster.

Luosto

Auf dem Weg nach Luosto überqueren wir heute den Polarkreis. Dieser stellt den südlichsten Punkt dar, an dem am kürzesten Tag die Sonne nicht auf, bzw. am längsten Tag nicht untergeht. Zur Markierung dieses Punktes steht ein einsames Monument am Strassenrand. Einen Zwischenstopp brauchts dazu nicht, die Betrachtung aus dem Auto reicht aus. Am Nachmittag machen wir einen Stopp in Rovaniemi mit etwas Shopping und einem Rentier Sandwich, bevor wir das Arktikum besuchen. Dieses Museum bietet viele Eindrücke zum Leben nördlich vom Polarkreis, insbesondere zu Natur, Landschaft, Klimawandel und menschlichen-, tierischen- und pflanzlichen Bewohnern. Am Abend treffen wir im Santas Hotel Aurora in Luosto ein und geniessen ein echtes finnisches Abendessen, vor dem obligaten Saunagang. Hier kommt aber nicht mehr dasselbe Feeling auf, wie wenn man erst selbst einfeuern muss, währenddessen raus in den Wald schaut und sich danach im kalten See abkühlen kann.

Wir machen eine kleine Wanderung im Skigebiet von Luosto, welches gerade einmal 514 m.ü.M. erreicht. Der höchste Punkt ist dennoch über der Baumgrenze und bekommt im Winter vermutlich weit mehr Schnee als die meisten Schweizer Skigebiete. Laut einer Infotafel müssen Bäume hier bis zu drei Tonnen Schnee tragen. Dementsprechend gebeugt sehen viele auch aus. In diesem flachen, von Wäldern geprägten Land, ist es schön wieder mal etwas Weitsicht zu haben: viel Wald, ein paar Hügel, wenige Strassen und hier und da ein Moor. Später schlendern wir noch etwas durchs Dorf, welches nur aus zwei Hotels, vier Restaurants und drei Shops zu bestehen scheint, wovon zurzeit das meiste geschlossen ist. Dafür werden wir nach den letzten Tagen in abgelegenen Ferienhäusern auch nicht von Menschenmengen überwältigt. Zum Abendessen gibt es nochmals richtige finnische Küche: Lachssuppe zur Vorspeise, danach sautiertes Rentier mit Kartoffelstock und Preiselbeeren. Nur das Dessert hat leider keinen Platz mehr.

Zurück nach Helsinki

Es stehen noch zwei lange Autotage zurück nach Helsinki bevor, rund 12 Stunden Fahrt und 1'000 km Distanz. Am ersten Tag machen wir zwei Stopps, den ersten zum Mittagessen in einer authentischen Arbeiterbeiz in Kemi und den zweiten in Oulu zu einem Dessert in der alten Markthalle. Wir übernachten in einem Spa in Isalmi, damit wir auch heute nicht auf die Sauna verzichten müssen. Wir sind mit Abstand die jüngsten Gäste, der Karaoke-Abend zieht die ältere Generation aber hervorragend auf Bühne und Tanzfläche und bietet gute Unterhaltung für uns. Am Morgen geht’s dann wieder früh los. Heute machen wir nur einen kurzen Stopp in Mikkeli und kommen am späten Nachmittag in Helsinki an. Nach Rückgabe des Mietautos und Bezug der Unterkunft geniessen wir ein sehr leckeres vietnamesisches Abendessen. Finnisches Essen ist in der Hauptstadt scheinbar etwas Mangelware. Nach einem letzten Drink gehen wir aber schon eher früh zurück, denn wir müssen am Morgen bereits um 5 Uhr los zum Flughafen.